Das wohl maßgeblichste Ziel bei der Gestaltung einer Premix-, Mischfutter- oder Heimtierfutterproduktionsanlage ist die Unterbringung aller Rohstoffe im/in den Endprodukt(en). Dies soll selbstverständlich mit einem hohen Maß an Präzision, einer hohen Zeit- und Kosteneffizienz, einer großen Flexibilität und mit den gewünschten Kapazitäten und Grundflächen sowie unter Berücksichtigung aller Kontaminationsgruppen vonstattengehen. Last, but not least soll auch der finanzielle Rahmen nicht gesprengt werden.

Autor: Tim Broeke - Project Sales Engineer - KSE Process Technology B.V.

Es steht außer Frage, dass die Gestaltung optimaler Prozesse nicht nur entsprechend der Vorgaben einer einzigen Zielsetzung erfolgt. Das führt zu stets interessanten Diskussionen darüber, wie die Anlage aufgebaut sein soll, da alle am Produktionsprozess Beteiligten ihre eigene Herangehensweise und ihre eigenen Anforderungen haben. Zu den drei wichtigsten Anforderungen zählen wohl die der Ernährungswissenschaftler, der Produktion an sich und (natürlich auch) die wirtschaftlichen Anforderungen.

Anforderungen der Ernährungswissenschaftler
Ernährungswissenschaftler benötigen rundum die Uhr ein breites Spektrum an Rohstoffen, um für eine große Auswahl an Rezepten automatisch dosieren zu können - mit so wenigen manuellen Unterbrechungen und höchster Präzision, versteht sich. Hierdurch ist der Ernährungswissenschaftler ohne manuelle Dosierung und mit einer Vielzahl an unterschiedlichen verfügbaren Rohstoffen in der Lage, spezielle Rezepte umzusetzen.

Entwicklungen in der Ernährungswissenschaft sorgen für effizientere Mischfutter- und Futterzusätze (Premixe). Sie erhöhen allerdings auch die Nachfrage nach schnelleren, präziseren und saubereren Dosier-, Transport- und Mischanlagen. Allgemein kann man sagen, dass heutzutage mehr Zutaten in häufig kleinen Dosierungen verwendet werden.

Produktionsanforderungen
Prozessbedingte Anforderungen hängen stark von der Art der Produktionsanlage ab. Während bei einer Mischfutteranlage Ertrag und Effizienz die vordergründigen Faktoren sind, kann der Schwerpunkt bei einer spezialisierten Premix-Produktionsanlage auf maximaler Flexibilität für exotische oder für die kundenspezifische Premix-Produktion für anspruchsvolle (Nischen-) Märkte liegen. Hierfür können längere Chargenzeiten eingeplant werden, es werden aber pro Dosieranlage auch mehr Zutaten benötigt und es muss die Möglichkeit geben, kleine und große Bestandteile über ein einziges Silo zu dosieren. Die Fließeigenschaften von Zutaten sind häufig schlecht und feuchtigkeitsbindende Materialien müssen mit größter Sorgfalt behandelt werden. Lagerungs- und Dosieranlagen müssen dementsprechend, je nach Anforderungsprofil, unterschiedlich aufgebaut sein.

Viele größere Mischfutterproduktionsanlagen fügen eine spezielle Premix-Linie hinzu, die für die Versorgung der Anlage mit den beliebtesten Premixen sorgt. Hierdurch kann man nicht nur die Durchlaufzeit verkürzen, sondern sich auch entscheidende wirtschaftliche Vorteile verschaffen. Abhängig von der Nachfrage kann bei betriebsinterner Produktion linienintern dosiert werden, wobei die verschiedenen Bestandteile direkt in den Mixer gegeben werden. Manche Produktionsstätten sind der Ansicht, dass es effizienter ist, größere Mengen an vorgemischten Bestandteilen und größere Träger auf einmal anzulegen. Hierdurch können, wenn genügend Zeit vorhanden ist, größere Dosiermengen hantiert und Premixe erstellt werden. Zusätzliche Lagerfläche kann in diesem Zusammenhang ein Problem darstellen, aber für jeden unterschiedlichen Prozess und für jede Anlage muss sich erweisen, was am besten funktioniert.

Worauf Sie bei der Gestaltung achten müssen
Eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Prozess wird es Ihnen ermöglichen, die beste Ausrüstung und Chargengröße für ein spezifisches Projekt zu finden. Eine Analyse der erforderlichen Produktionskapazitäten für jedes Rezept aus einer Vielzahl an typischen Rezepten kann hierbei helfen. Diese Analyse kann jedoch komplexe Berechnungen erfordern. Zu den prozessbezogenen Variablen werden die Zahl der Zutaten, die Chargen-Taktzeiten, die Sammlung und internen Transportzeiten sowie die Zeit gezählt, die für den Mischvorgang benötigt wird. Weiter gefasste Betrachtungen beinhalten außerdem Arbeitsstunden, physischen Raum, saisonal bedingte Produktionsanstiege und das verfügbare Budget.

Wenn Sie einmal die wichtigste Prozess-Ausrüstung ausgewählt und entschieden haben, wie der Prozess selbst aufgebaut sein soll, dann ist der nächste Schritt, dass Sie die Ausrüstung auf der vorhandenen Oberfläche und im Rahmen der gegebenen Höhenmaße unterbringen müssen. In bestehenden Gebäuden stellt das Hinzufügen oder Entfernen von Produktionslinien eine Herausforderung dar und erfordert einen kreativen Aufbau durch erfahrene Prozessingenieure.

Wirtschaftliche Anforderungen
Zu den wirtschaftlichen Anforderungen zählt die schnellstmögliche Lieferung eines breiten Produktspektrums, die mit wenig Kapital und geringen Betriebskosten sowie ohne Kompromisse bei der Qualität erfolgen muss. Aus Erfahrung wissen wir, dass der beste Start für die Prozessgestaltung bzw. für eine entsprechende Neugestaltung eine gründliche Analyse (realistischer) Wünsche in Kombination mit einer guten Balance zwischen gewünschten, aber nicht notwendigen Eigenschaften und einer zukunftssicheren Gestaltung ist. Bei den gewünschten, aber nicht notwendigen und bei den zukunftssicheren Teilen sollte aber immer maßgehalten werden. Die optionalen Extras erfüllen möglicherweise alle Kriterien, können aber den finanziellen Rahmen sprengen.